
Jeder, der schon einmal Tomaten gegessen hat, weiß, wie Tomaten eigentlich schmecken. Diese Behauptung ist leider falsch. Die Wassertomaten aus dem Supermarkt schmecken meist nach überhaupt nichts. Dasselbe gilt für fast alle anderen Gemüsesorten, denn die Massenproduktion ist meist nicht auf Qualität, sondern (wie der Name schon sagt) auf Quantität ausgerichtet.
Seit vielen Jahren baue ich daher mein Gemüse selbst an und es ist überhaupt nicht schwer! Meine Tomaten schmecken seither wie der Himmel und nach jedem Bissen überkommt mich eine Geschmacksexplosion der Superlative. In diesem Artikel möchte ich euch aufzeigen, wie einfach es ist, sein eigenes Gemüse auf kleinem Raum anzubauen und welches Gemüse sich für welche Balkonrichtung eignet. Hier und da baue ich auch noch einige Geheimtipps von mir ein, sodass dem Anbau von köstlichem Gemüse auf dem eigenen Balkon nichts mehr im Wege steht!
Step 1: Die Balkonrichtung herausfinden
Wer keinen eigenen Garten hat und etwa in der Stadt wohnt, kann sein Gemüse entweder auf der Fensterbank oder aber wie ich, auf dem Balkon anbauen. Dabei ist die Ausrichtung des Balkons natürlich sehr wichtig für die Gemüseart, die angebaut werden soll. Wer bereit ist diesen Kompromiss einzugehen, kann absolut nichts falsch machen.
Sprich: Ich würde mich nicht unbedingt für ein Gemüse entscheiden, das sehr viele Sonnenstunden benötigt, um prächtig zu gedeihen, wenn der Lebensraum dies nicht hergibt. Ich installierte mir damals zunächst einfach eine brauchbare Kompass-App und ging auf den Balkon um herauszufinden, in welche Richtung dieser gerichtet ist.
Südbalkon: Der Sonnen-Jackpot
Ich habe das Glück einen Südbalkon mieten zu dürfen. Die Tomate ist nämlich ein absoluter Sonnenanbeter und wächst in einer solchen Konstellation am besten. Ich kann mich vor Komplimenten gar nicht mehr retten, denn meine Freunde und Verwandten sagen mir immer wieder wie köstlich meine Tomaten schmecken.
Die ideale Sorte für den Balkonanbau im Hochbeet ist die sogenannte Buschtomate oder auch Rotkäppchen genannt. Sie bildet ein buschiges Blätterdach aus, welches die Früchte vor zu starker Sonne im Sommer perfekt schützt. Wir können auf dem Südbalkon aber ohne Probleme auch Cherrytomaten (oder auch Philovita genannt) oder Paprika, Chilis, Auberginen, Zucchini als auch Gurken anbauen.
Westbalkon: Eine gute Balkonrichtung für Halbschattengewächse
Zeigt der Balkon nach Westen, profitiert der Gärtner vor allem von Gemüsesorten die zu viel Sonne nicht so gut vertragen. Hier empfehle ich Blatt- und Salatgemüse, welches auf dem Westbalkon vor allem am Nachmittag genügend Sonne tanken kann. Nahezu alle Pflücksalate, Spinat, Feldsalate, Mangold und Rucola eignen sich hier besonders gut. Aber auch Radieschen sind super geeignet – vor allem für Anfänger. Sie entwickeln sich auf dem Westbalkon zwar langsamer, werden dafür aber besonders zart im Geschmack und nicht so würzig/scharf. Ansonsten fühlen sich Gewächse wie Kohlrabi, Brokkoli, Möhren, Zuckererbsen und Buschbohnen auf dem Westbalkon pudelwohl.
Ostbalkon: Das Eldorado für sonnenempfindliche Gemüsearten
Gemüsearten mit empfindlichem Wurzelwerk und zarten Blättern freuen sich sehr über das sanfte Aufwachen am Morgen. Die Erde wird nämlich schön langsam und nicht mit voller Intensität aufgewärmt und garantiert somit ein besonders schonendes Wachstum. Auf dem Ostbalkon empfehle ich daher vor allem Wurzelgemüse, wie die Rote Bete. Aber auch Buschbohnen oder Erbsen gedeihen auf dem Ostbalkon hervorragend. Da die Erde nicht derart intensiv aufgeheizt wird wie auf dem Süd- oder Westbalkon, bleibt sie schön feucht und bedient durstige Pflanzen optimal.
Nordbalkon: Ein Paradies für Kräuter
Ich weiß, dass ein Nordbalkon nicht gerade ideal für sonnenhungrige Gewächse ist, aber das bedeutet nicht sofort, dass hier nichts wächst. Wer schon einmal im Wald war weiß schließlich, dass im dichten Blätterdach der ganzen Bäume vor allem im Sommer trotzdem noch eine Menge grünt. Aus diesem Grund sollten Hobbygärtner mit einem Nordbalkon nicht gleich die Schaufel ins Korn werfen.
Ich kann an dieser Stelle Nordbalkoniern einen Geheimtipp geben: Wer besonders kreativ vorgeht, kann die Sonne sogar mit einem gut platzierten großen Spiegel einfach aufs Hochbeet richten. Aber auch ohne Tricks wachsen hier vor allem Kräuter und Waldgemüse sehr gut. Bärlauch, Waldmeister, Minze, Melisse, Schnittlauch und Petersilie machen sich auf dem Nordbalkon sehr gut.
Ein weiterer guter Tipp aus meinem privaten Erfahrungsschatz: Ich nutze in schattigen Plätzen helle Töpfe oder ein weißes Hochbeet, denn helle Farben reflektieren die wenigen Sonnenstrahlen im Hochsommer am Morgen und am Abend ideal.
Step 2: Die Wahl des richtigen Hochbeets
Neben den richtigen Maßen sollte auch bedacht werden, dass nicht jeder Balkon unendlich viel Gewicht aushält. Standardbalkone sind für eine Nutzlast von ca. 300 bis 400 kg/m² ausgelegt. Ein 50 Liter Sack mit Erde wiegt um die 30 Kilogramm und nach dem Gießen sogar mehr. Im Prinzip tut es jedes Behältnis, solange die Luft- und Wasserzirkulation gegeben ist. Sprich: Unten müssen unbedingt Löcher rein, damit das Wasser nach einem starken Regen abfließen kann und sich keine Staunässe bildet, welche die Wurzeln verfaulen lassen würde.
Ich nutzte zu Anfang einen alten IBC-Container, den mir mein Nachbar kostenlos geschenkt hat. Diesen halbierte ich und stellte ihn in die Ecke meines Balkons. Selbstverständlich könnte ich mir auch ein Hochbeet kaufen, aber der Container war kostenlos und erfüllte seinen Zweck. Neben der Optik schaue ich bei solchen Unterfangen vor allem auf den praktischen Nutzen: Wer etwa auf einem Nordbalkon anbaut, sollte sich für ein Hochbeet aus Kunststoff entscheiden. Dieses Material speichert die wenige Wärme am besten, sodass die Wurzeln meiner Gemüsekumpels es auch bei kühlem Wetter wohlig warm haben. Bei einem Ostbalkon ist hingegen ein Metallbeet die optimale Wahl, denn die milde Morgensonne kann somit bestmöglich an die Erde weitergegeben werden.
Profi-Tipp von mir: Ich würde mein Hochbeet aus Metall von innen mit Noppenfolie isolieren, sodass die Wurzeln der Pflanzen direkt am Rand nicht gebraten werden, wenn die Sonne besonders intensiv strahlt.
Der Südbalkon ist mit einem Hochbeet aus Holz oder Kunststoff bestens gerüstet
Als Perfektionist baue ich heute in einem Holzhochbeet (Lärche) an, denn dieses Material isoliert und atmet auf ganz natürliche Weise. Heller Kunststoff ist jedoch ebenso eine gute Alternative.
Der Westbalkon sollte mit einem Hochbeet aus schwerem Holz, Metall oder Kunststoff dekoriert werden
Auf Balkonen die gen Westen ausgerichtet sind, herrscht oftmals starker Wind. Aus diesem Grund würde ich hier auf schweres Holz oder Metall setzen. Somit kippt nichts um und bleibt standfest.
Ein Metallhochbeet auf dem Ostbalkon fängt die sanfte Morgensonne am besten ein und leitet die Wärme an die Erde weiter
Hätte meine Wohnung einen Ostbalkon, würde ich als Pflanzer ein Hochbeet aus Metall oder Ton aufstellen. Diese Materialien sorgen dafür, dass die Pflanzen nach einer kühlen Nacht schneller auf Betriebstemperatur gebracht werden.
Ein Kunststoffbeet ist für den Nordbalkon die richtige Wahl, denn Holz kann bei wenig oder gar keiner Sonne schimmeln
Damit meine Kräuter auf einem Nordbalkon prächtig gedeihen können, sollte mein Hochbeet hier idealerweise aus Kunststoff bestehen.
Step 3: Der Erde- und Sameneinkauf
Je nach Gemüseart muss natürlich auch die Erde die richtige Beschaffenheit und das korrekte NPK (Stickstoff/Phosphor/Kalium) – Verhältnis haben. Stickstoff (Nitrogenium) ist wichtig für grüne Blätter sowie kräftige Stängel, Phosphor für große Früchte und starke Wurzeln und Kalium für das Immunsystem der Pflanze. Hochqualitative Erde hat meist auch ausreichend Spurenelemente, wie Magnesium, Eisen, Bor und Kupfer, die von der Menge her für den ersten Durchgang komplett ausreichen.
Ich schaue mir dann einfach online kurz an, welche Erde sich für meine Tomaten, Chilis, Gurken oder Kräuter usw. anbietet. Es ist wirklich wichtig, dass hier nicht gespart wird, denn das Medium entscheidet oftmals über Erfolg oder Misserfolg! Ebenso kann ich mir bei einem reichen Mischverhältnis der Nährstoffe den Dünger anfangs sparen und erschaffe somit ein Bio-Gemüse der Superlative. Wenn ich eine Gemüsesorte anbaue, die besonders viele Nährstoffe benötigt (was vor allem bei Fruchtgemüse wie Paprika der Fall ist), dünge ich mit Bio-Dünger.
Bei den Gemüsesorten (bzw. beim Samenkauf) würde ich mich nicht unbedingt auf exotische Sorten stürzen, die hierzulande eher schlechter gedeihen. Die Sorten, die ich im Baumarkt, Gartencenter, Saatgut-Fachgeschäft oder in der Gärtnerei erhalte, eignen sich in unseren Breitengraden meist sehr gut. Mir persönlich macht es große Freude, mit den dortigen Mitarbeitern fachzusimpeln und Erfahrungen auszutauschen, ehe ich mich für eine Sorte entscheide. Das ist meiner Meinung nach schließlich der halbe Spaß beim Anbauen auf dem eigenen Balkon.
Fazit
Ich habe mich schon damals sehr darauf gefreut, mein eigenes Gemüse anzubauen und empfinde es auch heute noch als großartiges Abenteuer. Es ist ein netter Zeitvertreib und einfach ein herrliches Gefühl, wenn das eigene Gemüse auf dem Balkon wächst. Besonders im Sommer setze ich mich gerne mit einer selbst gerollten Zigarre aus meinem selbst angebauten Tabak auf den Balkon und begutachte die faszinierende Gemüsewelt, die ich mir auf meinem Balkon selbst erschaffen habe.
Solch ein Projekt ist nicht nur ein Abenteuer: Es hat mein ganzes Leben verändert, denn Pflanzen sind Lebewesen und unsere Freunde. Sie stärken mich in meinem Alltag und es bereitet mir große Freude, wenn ich meinen Kumpels oder Verwandten einen köstlichen, selbst gemachten Salat servieren kann, der mir garantiert die Anerkennung meiner Mitmenschen einbringt. Viel Spaß beim Pflanzen und ich hoffe, dass euch meine Erfahrungen weiterhelfen!